Fulda Challenge
Extrem-Lauf bei minus 30 Grad und die Suche nach dem Grip
Pressemitteilung / 26.01.2009


In der Nacht ging die Temperatur auf knapp minus 40 Grad zurück.
Trotzdem war einem der Athleten zum ersten Mal nicht kalt. "Ich habe mich ganz klein gemacht und es endlich geschafft, den Schlafsack bis über meine Schultern zu ziehen. Ellen hat dann ganz schnell den Reißverschluss zu gemacht. Ich war eingepackt wie eine Mumie." Dass er trotzdem am nächsten Tag mit Fieber aufwachte, lag daher nicht an der Außentemperatur oder mangelnden Ausrüstung, sondern der Infekt ist ein Mitbringsel aus Deutschland. Das Fulda-Ärzteteam musste dem Ex-Diskuswerfer Startverbot für den Halbmarathon geben.
Das Event fand 120 Kilometer entfernt auf dem legendären Dempster Highway statt. Dort oben in den Bergen erwartete die Athleten eine unvergessliche Aussicht.
"Ich bin alleine gelaufen und habe dabei den Lauf sehr genossen. Das Panorama und den herrlichen Sonnenaufgang mit schon fast lila Farben war unbeschreiblich." schwärmte Fredi Bobic.
Doch die Kälte zwang das Ärtzteteam und die Wettkampfleitung zum zweiten Mal an diesem Morgen zum Handeln: Der Lauf musste auf 15 Kilometer verkürzt werden. Denn eine längere Renndauer hätte unweigerlich zu Erfrierungs-Erscheinungen bei den Athleten geführt. Doch auch so hatten die medizinischen Betreuer während des Laufs genug zu tun.
Bereist bei Kilometer Fünf wurde Susi Erdmann unfreiwilliger Gast im Medical Car. Sie ist mit ihrem bereits beim Trapper Trail lädierten Fuß erneut umgeknickt. So konnte sie die Arbeit der Mediziner aus nächster Nähe beobachten: „Die Ärzte sind ständig zwischen den Athleten hin und her gefahren, haben sie kontrolliert und mit heißem Tee versorgt. Das war total rührend. Man fühlt hier sich hier wirklich toll versorgt.“
An der Spitze probten Uwe Ullmann und Joey Kelly einen "Paarlauf". Doch ein paar hundert Meter vor der Ziellinie war es vorbei mit der trauten Zweisamkeit. Kelly konnte dem starken Schlussspurt des Cross-Triathleten nichts entgegen setzen. "Wenn das Event 40 km oder 50 km lang gewesen wäre, hätte ich ihn vielleicht geknackt." mutmaßte der Extrem-Langstreckenläufer später.
Bei den Frauen zeigte erneut Ellen Blome ihr herausragendes Ausdauertalent. Als Dritte im Gesamtklassement gewann sie mit 17 Minuten Vorsprung die Damenwertung. Dabei musste die Bochumerin nicht einmal an ihr Limit gehen: "Kurz vor dem Ziel habe ich einmal kurz angehalten, um noch einmal einen Blick in die Landschaft zu werfen. Man muss solche Momente genießen können."
Doch auch die Leistung der Zweitplatzierten Magdalena Brzeska war mehr als erstaunlich. Sie lief zum ersten Mal überhaupt ein solch lange Distanz: "Es haben mir danach auch viele gesagt, ich sollte Läuferin werden."
Am Nachmittag mussten die Teams ein Flugzeug per Muskelkraft über eine Distanz ziehen. Hier war es von besonderer Bedeutung, auf der eisigen Startbahn nicht die Bodenhaftung zu verlieren. "Wir haben beim Flugzeug-Pulling einfach kein Grip gefunden." entschuldige Brzeska die Leistung von sich und ihrem Partner Ullmann. Aber auch die anderen Teams schafften es nicht, in der vorgegebenen Zeit den Flieger über die komplette Strecke zu ziehen. "Beim Flugzeug-Pulling hat man schon gemerkt, dass bei uns allen nach einer Wettkampfwoche und Zelten bei minus 35 Grad die Kräfte langsam schwinden." analysierte Fredi Bobic.
Doch morgen, am letzten Wettkampftag müssen die Athleten nur noch ein ATV-Rennen bestreiten. Während in der Damenwertung Heidrun Kuhlmann nahezu unheilbar vorne liegt und auch die Teamwertung zugunsten Kelly/Kuhlmann bereits vorzeitig entschieden ist, wird das Rennen bei den Männern von besonderer Spannung sein. Mit Kelly, Kelnhofer und Ullmann können sich gleich drei Athleten noch Hoffnungen auf den Gesamtsieg machen.


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