The North Face Ultra Trail-Tour du Mont-Blanc
Erlebnisbericht vom UTMB 2007
Tom Wolter-Roessler / 25.10.2007


Aufgrund meiner bisherigen vier erfolgreichen Teilnahmen (seit der Erstausgabe 2003 konnte ich jeden UTMB innerhalb des Zeitlimits finishen) habe ich mir die Sache wohl etwas zu leicht vorgestellt und mein momentaner Zustand zeigt deutlich, dass das hier kein Kinderspiel ist. Bevor ich mich in dieser zweiten Nacht völlig übermüdet hier in den Wald legte, hatte ich bereits 125km und fast 7.000hm hinter mich gebracht – dies und 30 Stunden ohne Schlaf haben mich deutlich gezeichnet. Der Drang nach vorne ist ungebrochen, doch als ich meinen Rucksack aufnehme, kommt der nächste Schock: Ich hatte kurz vorher noch zwei Liter Wasser aufgefüllt, doch kein Tropfen ist mehr übrig! Fast panisch suche ich nach einer undichten Stelle in meinem Trinkrucksack, doch der Rucksack ist trocken und auch der Boden staubt. Ich habe auch jetzt, wo ich diesen Bericht schreibe nicht die geringste Ahnung, was passiert ist; meine einzige Idee ist, dass ich im (Halb-)Schlaf die zwei Liter wohl getrunken habe; dass nicht mal mehr Luft in der Trinkblase war und ich seltsamer Weise keinen Durst verspürte bestätig mich in dieser Vermutung ...
Schon bei allen meinen Läufen hatte ich regelmäßig Schwierigkeiten mit der Müdigkeit und wohl noch nie zuvor bin ich soweit über den \"toten Punkt\" hinausgegangen wie bei diesem Abenteuer. Wie ferngesteuert packe ich also meine Sachen und mache mich an einen der schwierigsten Streckenabschnitte, den Aufstieg zur Bovine. Das Gehen hilft mir, meine Gedanken wieder in \"echt\" und \"geträumt\" zu sortieren und schön langsam komme ich zu mir. Bald überquere ich einen Bach und nutze die Gelegenheit, meinen Trinkrucksack wieder zu füllen. Die Angst und Verunsicherung weicht Stück für Stück der Zuversicht und ich weiß aus tiefster Überzeugung, dass es möglich ist, dass es weiter geht, dass ich das Ziel erreichen kann und – dass ich das hier will, so fremd mir die ganze Szenerie momentan auch erscheinen mag.
Am Freitag war ich frühmorgens mit dem Auto Richtung Chamonix aufgebrochen und war gegen 11h am Ziel angekommen. Mein Stammparkplatz nahe der Gleitschirm-Landewiese war noch frei und ich packte meine Sachen. Die Startnummernausgabe war wie immer professionell organisiert und wenn ich nicht versehentlich meine Regenjacke vergessen hätte, wäre auch bei der Kontrolle der Pflichtausrüstung alles glatt gegangen. Doch auch dieser Mangel war schnell behoben und ich hatte nun Zeit, etwas zu entspannen und mich gedanklich vorzubereiten. Ich lief durch den Ortskern, durchforstete die Sportläden und versuchte etwas zu schlafen – leider vergebens, und da ich die Nacht zuvor auch nur minutenweise geschlafen hatte steigerte dies meinen Optimismus nicht gerade.


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